Wenn die Werbung türkisch spricht

Auch türkische Mitbürger haben Bedarf an Produkten wie Alters- und Kindervorsorge oder Krediten. Um sie erfolgreich anzusprechen, sollte man seine Wertschätzung der türkischen Kultur ausdrücken. Zwei Sparkassen berichten über ihre Erfahrungen.

Vor rund fünf Jahren hatte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) das Projekt Vertriebskonzept Migranten angestoßen, mit dem Schwerpunkt türkische Mitbürger. Bilinguale Zielgruppen-Kampagnen entwickelte der Deutsche Sparkassenverlag (DSV); jüngst aktualisierte und erweiterte er sein Medienangebot. Die Sparkassen Fürth und Nürnberg sprechen die große türkischstämmige Kundengruppe gezielt an. „In unserer traditionellen Arbeiterstadt sind wir in dieser Klientel stark verwurzelt“, erklärt Thomas Mück, Leiter Marketing bei der Sparkasse Fürth. Während des DSGV-Projekts setzte er stark auf die Anzeigen, Mailings und Flyer vom DSV. „Will man zweisprachig werben, empfiehlt sich dieses zentrale Medienangebot mit seiner eigenen Bild- und Textwelt, auch weil uns dieser Baukasten zeitraubende Eigenproduktionen erspart„, urteilt Mück. Von den Anzeigen zu Altersvorsorge, Kindervorsorge oder Immobilien setzt Mück aktuell die Privatkreditanzeige ein: Im überregionalen türkischen Magazin Mayha schaltet er sie im Wechsel mit der benachbarten Sparkasse Nürnberg.

Gut für's Image

Dort platziert Axel Niebelschütz nach dem Privatkredit im Vorjahr nun das Thema Versicherungs-Check. „Zu Beginn der Migrantenkampagne stellten wir unsere türkisch sprechenden Berater in vertrauensstiftenden Anzeigen vor“, erläutert der Kommunikationsmanager. Beide Sparkassen bestätigen, dass die türkischen Mitbürger die muttersprachliche Anrede als Wertschätzung seitens der Sparkasse anerkennen. „Das steigert unsere Bekanntheit und zahlt aufs Image ein. Entwickeln sich daraus Geschäfte, zahlt sich das doppelt aus. Denn die Bereitschaft uns weiterzuempfehlen ist größer als bei deutschen Kunden“, weiß Niebelschütz.

Nicht zu unterschätzen seien kleine Aufmerksamkeiten wie eine Grußkarte zum Ende des Ramadan. „Unsere Berater berichten von gutem Kundenfeedback.“ Das gilt auch für türkische Veranstaltungen; beide Institute sponsern hier aktiv und sind mit Ständen präsent. Die bilingualen Kommunikationsmittel passten gut zu den großen öffentlichen Events unter dem Motto „Zusammenfinden“. Das sind in erster Linie die Sommer- und Kinderfeste des rührigen Verbands der Moscheegemeinden DITIB, der praktisch alle türkischen Mitbürger erreicht.

Weitere Nürnberger Beispiele für Sponsoring sind das Sommerfest eines großen lokalen türkischen Fußballvereins oder türkische Filmfestspiele. Deren Gegenleistung in Form von Freitickets geht über die Berater an interessierte Sparkassenkunden. „Wir wollen uns in der Community als kompetenter Finanzpartner positionieren und etablieren“, sagt Thomas Mück. Ein hoher Vertrauensfaktor sei ein gutes Entrée. Sein Tipp: Alle Berater, die eine Fremdsprache sprechen, erfassen und zentral hinterlegen. Niebelschütz rät, die Zielgruppe mit Themen abzuholen, die am Herzen liegen: „Kinder beispielsweise sind den Menschen aller Kulturen sehr wichtig.“