Neue Trends in der Kunstausstattung der Sparkassen

Immer öfter heißt es in Sparkassen: „Wir würden gerne Kunst in unseren Neubau integrieren, haben aber keine Wände für Bilder.“ Der Grund: Die vorherrschende Architektur setzt auf Transparenz mit viel Glas und Open Space-Kultur, sodass Büroräume diesem aktuellen Trend bei Sparkassen-Bauten weichen müssen.

Wenn Glas in Sparkassen Wände ersetzt, bleiben viele Bilder zurück, die sich über Jahrzehnte ansammelten. Und es stellt sich die Frage: Wohin mit der Kunst? Für die eingelagerten Bilder im Keller gibt es nur eine Möglichkeit, wenn sie nicht neu platziert werden können: sichten, schätzen, sortieren. Dafür bietet das DSV Kunstkontor des Deutschen Sparkassenverlags einen speziellen Service. Die Kunstexperten geben darüber hinaus Empfehlungen, welche Kunstwerke wie am besten veräußert werden können.

Bleibt noch die Frage nach der passenden Kunst im gläsernen Neubau. Die Entwicklung der Kunst im 20. und 21. Jahrhundert hat vielfältige neue technische und ästhetische Ausdrucksformen hervorgebracht. Soll heißen: Zeitgenössische Kunst kann mehr als Öl auf Leinwand. Vor diesem Hintergrund entwickelt das DSV Kunstkontor schon seit Jahren mit unterschiedlichsten Künstlern vielfältige Kunst-am-Bau-Projekte. Aktuell besonders beliebt ist die künstlerische Gestaltung mobiler Glastrennwände. Das heißt, der Künstler entwickelt einen digitalen Entwurf, der auf Klebefolie produziert wird, so wie jeder andere Sichtschutz auch.

Auf diese Weise brachte der Künstler Konrad Winter für die Sparkasse Gevelsberg eine Innenstadt-Szene auf die Glastrennwand, welche die Kundenhalle der Hauptstelle vom SB-Bereich abtrennt. Wer dort zu später Stunde am Automaten Geld abhebt, den erwartet ein wahrer Kunstgenuss. Denn nur zu dieser Zeit, also außerhalb der Filialöffnungszeiten und am Wochenende rund um die Uhr, kann man die mobile Glastrennwand bestaunen. Das Motiv erstreckt sich über die rund 20 Meter lange Glaswand und zeigt eine Straßenszene aus Gevelsberg mit seinen Bewohnern und markanten Gebäuden. Dem Betrachter präsentieren sich monochrome Farbflächen, die teils abstrakt anmuten und doch Menschen und Gebäude erkennen lassen. Der Künstler hat diese lebendig wirkende Komposition bewusst auf die unterschiedlichen Perspektiven abgestimmt – abhängig davon, aus welcher Richtung der Betrachter sich nähert und an der Glaswand entlangläuft. Je nach Standpunkt lässt sich so immer wieder Neues entdecken. Inhaltlich betrachtet verschiebt sich das geschäftige Treiben der Innenstadt bei Tag quasi zeitlich und räumlich. Ausgedrückt wird damit, dass die Sparkasse rund um die Uhr arbeitet, selbst wenn sie hier am späten Abend keine Beratungszeiten anbietet. Der Service geht im SB-Bereich weiter.

Auch andere Glaswände können mit Kunst bespielt werden, beispielsweise in Besprechungszimmern oder als Trennwände in Open-Space-Bereichen. Mit der Künstlerin Brigitte Waldach arbeitet das DSV Kunstkontor momentan an einer solchen Gestaltung, die sich durch den gesamten Neubau einer Sparkasse zieht. Waldach hat dafür ein ganzes Portfolio an Zeichnungen erstellt, die digitalisiert und dann als Klebefolie oder Siebdruck realisiert werden können.

Gestaltungslösungen mit Licht

Ein weiteres gefragtes Genre der Kunst am Bau ist die Lichtkunst. In der Sparkassenakademie Baden-Württemberg in Stuttgart gibt es dafür ein spektakuläres Beispiel von Tobias Rehberger: 296 mundgeblasene bunte Lampen lassen hier das Restaurant erstrahlen, das auch für Veranstaltungen genutzt wird. Die Künstlerin Miriam Prantl arbeitet aktuell an einer Lichtinstallation für ein zweigeschossiges Treppenhaus mit frei stehender Wendeltreppe in einem Sparkassen-Neubau in Süddeutschland. Die Programmierung der LEDs erzeugt dort einen langsamen Farbverlauf mit Farbwechseln der Led-Linien. Der Treppenraum wird damit eine atmosphärische und Ruhe ausstrahlende Lichtstimmung erhalten und durch die transparente Glasfassade insbesondere in den Abendstunden auch nach außen wirken.

Bekannt für spektakuläre Lichtinstallationen ist auch die Künstlerin rosalie, die aktuell im Schauwerk Sindelfingen mit ihrem „Lichtwirbel“ für Furore sorgt. Die schwebende, dreidimensionale Lichtskulptur mit einer Gesamthöhe von fünfzehn Metern durchfließt alle vier Stockwerke des Ausstellungsraums. Bisher ist die Künstlerin bei den Sparkassen vor allem mit ihren Flossies vertreten. Vielleicht sorgen dort künftig auch kleine und große Lichtwirbel für viel Aufmerksamkeit.

Der Luftraum als Blickfang

Ein weiteres gelungenes Beispiel für die Bespielung eines Luftraums sind die Boreaden von Axel Anklam, wie sie zum Beispiel bei ARTE TV in Straßburg zu sehen sind: ein luftiges Wolkendach aus einzelnen Stahlsegeln, die trotz der Schwere des Materials eine schwerelose Dynamik erzeugen. Der Bildhauer war auch bereits im Katalog ?Edition S? des DSV Kunstkontors vertreten und zeigt sich bei Auftragsarbeiten und Kunst-am-Bau-Projekten überaus vielseitig.

Solche Mobiles sind vor allem für Eingangsbereiche und Foyers mit hohen Decken ein eindrucksvoller Blickfang. Für die Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg hat schon vor einigen Jahren der Künstler Fré Ilgen ein solches Kunstwerk für den Neubau in Geesthacht entworfen und umgesetzt. Auch hier sind Leuchtröhren integriert. Diese sind jedoch nur eine Komponente der komplexen Installation aus Edelstahl, die den Luftraum der Eingangshalle einnimmt und von jedem Geschoss aus eine spannende Perspektive bietet. Eine kleinere Installation im Luftraum stellen die Leuchtkästen vom Künstler Stephan Huber dar, die in der Kundenhalle der Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim in Memmingen von der Decke hängen. Sie visualisieren mit einer fiktiven Landkarte die Historie der Sparkasse und ihrer Region und bilden den Auftakt zu einer Wandgestaltung im Treppenhaus des Gebäudes. Ein Beispiel, das zeigt, dass Treppenhauswände meist nach wie vor Platz für Kunst lassen.

Nachdem es für die klassische Skulptur in den Foyers und Kundenhallen der Sparkassen inzwischen vielerorts zu eng wurde, bieten sich alternativ in Innenhöfen oder auf Dachterrassen passende Standorte an. Die Sparkasse Hohenlohe fand für ihre Dachterrasse eine solche ebenso ästhetische wie praktische Lösung: Eine Löwenzahn-Skulptur des Künstlers Thomas Stimm, wetterfest aus Aluminium und mit Autolack bemalt, muss weder gegossen noch beschnitten werden und blüht auch im Winter hübsch gelb. Für den Innenhof einer weiteren Sparkasse entwickelt der Künstler eine ähnliche Skulptur.

Holzwand mit Relief

Wenn es Wandflächen in Flurbereichen gibt, macht sich als ein weiterer Trend in der gegenwärtigen Sparkassen-Architektur die Holzvertäfelung bemerkbar. Der Künstler Konrad Winter wird 2017 in eine solche Holzwand eines Sparkassen-Neubaus in Süddeutschland ein Relief fräsen. So wird aus einer schlichten Holzwand ein vor Ort geschaffenes Kunstwerk, individuell auf die Architektur abgestimmt. Bei diesem Bauprojekt hat das DSV Kunstkontor im Auftrag der Sparkasse in enger Zusammenarbeit mit dem Architekten ein Kunstkonzept erstellt, das konkrete Künstlervorschläge für bestimmte Bereiche im Bau beinhaltete. Der Vorstand entschied sich aus der Vorauswahl für fünf Künstler, die unterschiedliche Bereiche des Neubaus gestalten. Alle Künstler wurden zu einer Vor-Ort-Besichtigung eingeladen, bei der das DSV Kunstkontor die Baupläne und die Aufgabenstellung für die Auftragsarbeiten erläuterte. Einige Monate später präsentierte das DSV Kunstkontor die Entwürfe, die anschließend alle von der Sparkasse beauftragt wurden. In der Realisierungsphase galt es, die Details der Entwürfe zwischen der Sparkasse und den Künstlern abzustimmen, teilweise Muster zu erstellen und die Montage im Detail zu planen. Das DSV Kunstkontor begleitet die Sparkasse über die gesamte Projekt- und Realisierungsphase hinweg: von der Konzepterstellung über die Entwurfsphase bis hin zur Vertragsgestaltung, Rechnungsabwicklung, Montageplanung und Abnahme der Kunst vor Ort. Eine weitere oft unterschätzte, aber wichtige Aufgabe ist, die Kommunikation zwischen Sparkasse, Architekt, Bauleitung und Künstler zu steuern. Denn hier kommt es erfahrungsgemäß immer wieder zu Missverständnissen. Für einen reibungslosen Ablauf ist es deshalb hilfreich, wenn ein Vermittler – der wie das DSV Kunstkontor die jeweiligen Erwartungen und Anforderungen kennt – den regelmäßigen Austausch zwischen Sparkasse und Künstler begleitet und so Missverständnissen vorbeugt.

Die dargestellten Projekte zeigen: Bei Kunst am Bau sind der Fantasie und den Ausdrucksformen keine Grenzen gesetzt. Um fast alles möglich zu machen, verfügt das DSV Kunstkontor über ein sich stetig erweiterndes Netzwerk von rund 500 Künstlern. Auf Wunsch lassen sich Künstler-Vorschlagslisten auch rein regional zusammenstellen. Ebenso können Konzeptkünstler über Themen und Motive Regionalität als Wert verdeutlichen. Grundsätzlich empfiehlt sich, frühzeitig mit der Planung zu starten: Um einen reibungslosen Ablauf bei der Montage sicherzustellen, müssen Architekten, Bauleiter und beteiligte Gewerke durch das Projektmanagement von Anfang an miteinbezogen werden. Der Faktor Zeit spielt auch an anderer Stelle eine zentrale Rolle: Neben „Keine Wände für Bilder“ heißt es bei vielen Sparkassen oftmals „Die Kunst hat noch viel Zeit, wir eröffnen erst (über)nächstes Jahr.“ Doch wartet man zu lange, ist es für viele Kunstprojekte zu spät, denn bauseitig muss Kunst vor dem Rohbau eingeplant werden. Gut ein Jahr brauchen Künstlerauswahl, Entwurfsphase und -präsentation, Abstimmungen zwischen Künstler und Vorstand sowie die Planung der bauseitigen Vorbereitungen für die Kunst. Je nach Kunstwerk dauert die Produktion sechs bis zwölf Monate. Auch wenn das DSV Kunstkontor schon verschiedene Kunstprojekte von der Anfrage bis zur Einweihung in wesentlich kürzerer Zeit umgesetzt hat, so erweist sich doch für alle Beteiligten eine frühzeitige Planung als deutlich einfacher. Sobald also die Architekturpläne stehen (vor Spatenstich), lassen sich in einer Beratung noch alle Gestaltungslösungen ohne Zeitdruck ausloten. Anschließend gilt es, ein Konzept zu erstellen, die Künstler auszuwählen und Entwürfe zu sichten und abzustimmen.