BilRUG-Umsetzung

Mit Bilanzanalysetool EBIL gut vorbereitet

Das Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG) verändert die Jahres- und Konzernabschlüsse der Unternehmen für das Geschäftsjahr 2016 substanziell. Im Jahresgespräch mit ihrer Sparkasse werden die Firmenkunden die Erfolgsrechnung besprechen und dabei auf gut informierte Berater treffen. Denn diese und die Analysten unterstützt das Bilanzanalysetool EBIL, mit dem sich die BilRUG-Abschlüsse zielführend bewerten lassen.

Mit BilRUG wird der Umsatzbegriff laut HGB erweitert, und das bisher in der Erfolgsrechnung ausgewiesene außerordentliche Ergebnis entfällt. Weitere relevante Neuerung für Unternehmen und Institute ist die erneute Anhebung der finanziellen Schwellenwerte für die Klassifikation der Kapitalgesellschaften und ihnen gleichgestellten haftungsbeschränkten Personengesellschaften um über 20 Prozent. Die Anhebung der Schwellenwerte kann bereits für den Jahresabschluss 2014 gelten.

Sparkassen, die EBIL als Bilanzanalysetool einsetzen, unterstützt der DSV mit den notwendigen Informationen und seit EBIL Release 8.1 mit den Funktionalitäten für eine sachgerechte und prozessoptimierte Analyse der BilRUG-Abschlüsse. Vorbereitend empfiehlt sich der im Rahmen von BilRUG ergänzte EBIL-Analyseleitfaden. Notwendige interne Informationsprozesse sollten alle Mitarbeiter im gewerblichen Kreditgeschäft einbeziehen.

Anhebung der finanziellen Schwellenwerte

Für viele mittelgroße Gesellschaften, die künftig als kleine gelten, entfallen als Folge die Prüfungspflicht und damit ein Kostenfaktor. Ist die Gesellschaft als Kreditnehmer nach § 18 KWG zu behandeln, wird anstelle des Bestätigungsvermerks die Plausibilitätsbeurteilung durch Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer eine Aussage zur Ordnungsmäßigkeit der Rechnungslegung treffen müssen. Andernfalls erfordert die erhöhte Unsicherheit der bereitgestellten Finanzdaten, dass die Sparkasse sich intensiver als bisher mit den Daten auseinandersetzt.

Erweiterter Umsatzbegriff

Nach bisheriger Buchungslogik in der Erfolgsrechnung werden die Umsatzerlöse von den außerordentlichen Erträgen durch das Merkmal „innerhalb beziehungsweise außerhalb der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit“ abgegrenzt. Von den sonstigen betrieblichen Erträgen lassen sich die Umsatzerlöse abgrenzen, da diese aus dem „typischen Leistungsangebot“ des Unternehmens resultieren. Diese beiden Abgrenzungsmerkmale entfallen nun nach dem neuen Wortlaut im BilRUG.

Mit der Neudefinition der Umsatzerlöse in § 277 HGB beabsichtigt der Gesetzgeber, die nach bisherigem Recht auftretenden Abgrenzungs-probleme zu folgender Frage zu lösen: Sind Erzeugnisse, Waren und Dienstleistungen typisch für die gewöhnliche Geschäftstätigkeit oder nicht? Doch was in Hinblick auf die Abschaffung der „außerordentlichen“ Posten noch logisch erscheint, führt bei den sonstigen betrieblichen Erträgen und den Umsatzerlösen zu neuen Abgrenzungsfragen. Fortan sind alle Erlöse aus Warenlieferungen, Erzeugnissen oder Dienstleistungen als Umsatzerlöse auszuweisen.

Die bisher unter den sonstigen betrieblichen Erträgen ausgewiesenen Mieterträge der Produktionsunternehmen oder auch die Kantinenerlöse sind künftig im Umsatz enthalten. Aus Sicht der Unternehmen mögen die so ausgeweiteten Umsatzerlöse willkommen sein - doch für die Bilanzanalyse und das Rating hat das Folgen. Tatsächlich verändert sich die Aussagekraft des Teilbetriebsergebnisses (als Ergebnis der operativen Ertragskraft vor „Finanzierungsstruktur“ und „sonstigen laufenden Ertragsquellen“ hin zu einem Ergebnis vor Steuern und Kosten der Finanzierungsstruktur. Der Grund: Sonstige betriebliche Erträge finden sich nun vornehmlich im Umsatz. Das Teilbetriebsergebnis wird zu einem echten EBIT (Gewinn vor Zinsen und Ertragsteuern).

Zeitreihenbruch

Außerdem ändern werden sich die betriebswirtschaftlichen Kennzahlenwerte - und zwar ohne Veränderung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines analysierten Unternehmens. Dies führt zu einem Zeitreihenbruch. Insgesamt sind die Verschiebungen aufgrund der Neudefinition der Umsatzerlöse ein relevantes Thema für die Praxis, was statistische Analysen des DSV belegen. Die Analysen liefern jedoch ein unternehmens- und branchenspezifisch sehr differenziertes Bild.

Außerordentliche Ergebnisse abgeschafft

Quantitativ weniger bedeutend, aber dennoch relevant: die Streichung der außerordentlichen Posten aus der Gliederung der Erfolgsrechnung. Das bedeutet in der Folge, dass diese Sachverhalte nun in anderen Gliederungsposten der GuV untergebracht werden müssen. Im Hinblick auf die analytische Aussagekraft des Betriebsergebnisses wird die Auswertung des Anhangs eine stärkere Rolle spielen. Hier platziert der Gesetzgeber die Pflichtangabe zu außergewöhnlichen Erträgen und Aufwendungen.

Der Begriff „außergewöhnlich“ ist jedoch mit der bisherigen Erläuterung der „außerordentlichen“ Posten nicht deckungsgleich, sondern inhaltlich neu im HGB. Ausweislich der Gesetzesbegründung geht es um Posten, die vom Auftreten oder von der Größenordnung her außergewöhnlich sind. Festzuhalten ist, dass diese neue Angabe bei der Analyse eines nachhaltigen Betriebsergebnisses eine herausragende Rolle spielen wird. Um die außergewöhnlichen Positionen aus dem ordentlichen Bereich heraus in EBIL zu neutralisieren, unterstützt das Analysetool den Anwender mit neuen Feldern.

Den vollständigen Beitrag mit Praxisbeispiel und erläuternden Grafiken finden Sie in den Betriebswirtschaftlichen Blättern auf www.sparkassenzeitung.de.