Wenn alle WOL wollen

In der Arbeitswelt der Zukunft ist Vernetzungskompetenz essenziell – für den einzelnen Mitarbeiter wie für das ganze Unternehmen. Einem Begriff begegnet man öfter: „Working Out Loud“ (WOL). Mehr als ein Hype? Einige Führungskräfte aus der Sparkassen-Finanzgruppe haben es ausprobiert – mit bemerkenswertem Ergebnis.

Markus Teichert, Vorstandsmitglied der Sparkasse Duderstadt, ist erklärter Fan:
„Working Out Loud macht die Arbeit im digitalen Zeitalter menschlicher. Dank netzwerkender und transparenter Zusammenarbeit finden wir schnellere und bessere Antworten auf Fragen, die in unserer komplexen Welt allein nicht mehr so einfach zu lösen sind.“ Er hat die Lernmethode zusammen mit weiteren Interessierten aus der Sparkassen-Finanzgruppe verinnerlicht – beim ersten institutsübergreifenden WOL-Circle der Finanzgruppe. Zunächst aber: Wie funktioniert WOL eigentlich? Und was soll es einem bringen?

Netzwerken der besonderen Art

WOL ist eine Peer-Coaching-Methode, meint aber auch eine Arbeitshaltung. Eine Kleingruppe trifft sich virtuell oder persönlich im „Circle“. Konsequent einmal wöchentlich, für eine Stunde, meistens über zwölf Wochen hinweg. Jeder hat sich ein individuelles Ziel gesetzt. Gegenseitig tauscht man sich aus, unterstützt und motiviert die anderen bei ihrer Zielerreichung – möglicherweise auch mal im späteren Leben als Sparringspartner. Einer aus der Kleingruppe übernimmt die Moderation, oder man wechselt sich ab. Denn mit begleitenden Übungen – den im Internet frei verfügbaren „Circle Guides“ lernen die Teilnehmer offen, selbstorganisiert sowie interdisziplinär zu arbeiten. In diesem Fall moderierte der Deutsche Sparkassenverlag (DSV) in Person von Business Development Manager Tim Beckmann.

Wissen teilen statt horten

„Im Circle stellten alle fest, dass WOL über Vertrauen, Offenheit, Austausch, Vernetzung und großzügiges Teilen von Informationen zu besseren Lösungen jedes Einzelnen führt“, berichtet Werner Schilli, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Braunschweigischen Landessparkasse (BLSK). Working Out Loud bedeute eine andere Art des Umgangs miteinander, eine Haltung. „Man merkt, dass man sehr schnell zueinander kommt und sich echtes Vertrauen aufbaut. Außerdem ist man schnell bereit, auch etwas von sich preiszugeben.“ Ohne das Denken in Hierarchien und Linienverantwortung komme man zu mehr Meinungen und Ansichten – und damit neuen Lösungsvorschlägen. „Ich habe gelernt, die Sichtweisen anderer noch mehr einzubeziehen, was den Informationsbogen größer schlägt“, betont Schilli.

Das bestätigt Anja Schneider: „Man lernt, sich nicht nur auf Personen zu fokussieren, die mit der eigenen fachlichen Brille unterwegs sind.“ Laut der Geschäftsbereichsleiterin beim Sparkassenverband Niedersachsen (SVN) erfahre man durch WOL bewusster, welchen Mehrwert eine spartenübergreifende, hierarchieunabhängige – und wie hier sogar überbetriebliche – Zusammenarbeit für ein eigenes Thema bedeutet. Das bedeute aber auch, dass man selbst die Informationsweitergabe an hilfreiche externe Personen durch den WOL-Kreis nicht immer steuern kann. „Das muss man dann auch aushalten können.“ Ihr persönliches Ziel: genügend Teilnehmer sammeln für eine „Werkstatt.Regional.Digital“. Hier sollen Sparkassen mit einigen Firmenkunden gemeinsam Ideen entwickeln, welche die Region voranbringen, die Zusammenarbeit mit Kunden verbessern und letztlich neues Geschäft für die Häuser generieren.

Menschen und Ideen vernetzen

Einen weiteren Punkt unterstreicht das bereits eingangs zitierte Vorstandsmitglied der Sparkasse Duderstadt, Markus Teichert: „Ich schätze WOL als eine Selbstlernmethode zur Stärkung der digitalen Kompetenzen – mit Fokus nicht auf der rein technischen Vernetzung, sondern auf der von Menschen und Ideen.“ Ähnlich sieht es Marion Straub, Themenverantwortliche für den Digitalen Arbeitsplatz bei der Versicherungskammer. „Jeder von uns denkt, er arbeite sowieso in einem Netzwerk. Aber der Schlüssel der WOL-Methode ist, dem Netzwerk uneigennützig auch etwas zu geben.“ Das schaffe eine gute Basis und eine Art positiven Schneeballeffekt: „Jeder kennt wieder jemanden, der irgendwie zu einer Lösung beitragen kann.“ Ihr persönliches Ziel ist es, eine bestimmte Anzahl von Führungskräften für das geplante hausinterne Enterprise Social Network einzuspannen. Und sie ist überzeugt: „Ich bin wesentlich erfolgreicher unterwegs, seit ich die WOL-Methoden bewusst anwende.“

Nach dem ersten Circle

Im Januar endete der erste vom DSV begleitete WOL-Circle mit dem zwölften Treffen. Heute sind die Teilnehmer – zu denen noch Lars Dannheim (BLSK) und Gabriel Rath (OSPA) gehörten – immer noch virtuell vernetzt und tauschen sich monatlich aus, etwa über den Transfer der Methode im jeweiligen Unternehmen. Bei der Versicherungskammer unterstützt Marion Straub mit WOL die digitale Transformation des Konzerns: „Raus aus dem Silo, übergreifend denken, Teams interdisziplinär vernetzten, um Lösungen zu finden.“ Dafür bringt sie mehrere WOL-Circles an den Start. Vor kurzem endete die Bewerbungsfrist; Marion Straub freut sich über das große Interesse.

In der BLSK coachen Werner Schilli und Abteilungsleiter Lars Dannheim je einen neuen WOL-Circle mit Führungskräften. Nach der Sommerpause soll jeder der Teilnehmer wiederum einen weiteren Circle anstoßen: dann für einen Praxisfall, den S-Zukunftscampus, eine Art interne Denkwerkstatt.

Den Ball ins Rollen bringen

Für Sparkassenmitarbeiter in Niedersachsen plant Anja Schneider WOL-Angebote. Dank der im Web frei beziehbaren WOL-Circle-Guides will sie mittels Auftakttreffen nach dem Schneeballprinzip sparkasseneigene Circles ins Rollen bringen. Und parallel arbeitet sie mit Tim Beckmann vom DSV daran, für ein deutschlandweites WOL-Angebot passende Strukturen und Unterstützung zu finden.

Ebenso hat sich die Sparkasse Duderstadt auf den Weg gemacht: Markus Teichert unterstützt aktiv interne und externe WOL-Vorhaben. „Weil es hilft, das existierende Wissen der Finanzgruppe transparenter zu machen und so besser zu nutzen. Da liegen Potenziale ohne Ende.“ Wer Interesse an einem weiteren überregionalen WOL-Circle hat, kann sich gerne bei ihm melden. Unter dem Linkedin-Profil von Markus Teichert sind seine persönlichen WOL-Berichte hinterlegt; dort auch #CollaborationIstEinfach.

WOL auf der SCOPE-Bühne

Geplant ist, dass Markus Teichert, Werner Schilli und weitere WOL-Praktiker im September auf dem Business-Festival der DSV-Gruppe, SCOPE19, live über ihre Erfahrungen berichten. Mit auf der Agenda: Ein interaktives WOL-Onboarding, sodass sich noch auf der Veranstaltung in Offenbach neue institutsübergreifende WOL-Circles finden können.

Übrigens funktioniert WOL unabhängig vom eingesetzten Kollaborationstool (u. a. O365, IBM Connections, Slack, Confluence). Der DSV unterstützt bei der passgenauen Auswahl und coacht auf Wunsch institutsübergreifende Circles.

Mehr Informationen zu Working Out Loud und den allgemeinen Circle Guides unter workingoutloud.com.