Lösungen für das Digitale Rathaus
„Da geht jede Tür auf“

Die Kommunen müssen in diesem Jahr einen echten Kraftakt in Sachen Digitalisierung vollbringen. Für die S-Public Services und die Sparkassen bietet das die Chance, sich auch hier als Partner zu positionieren.

Das Onlinezugangsgesetz (OZG) stellt Kommunen vor große Herausforderungen: Ab 2022 müssen sie den Bürgern 575 Leistungen online über Verwaltungsportale anbieten. Dafür greift der Bund tief in die Tasche. So wurde Ende Januar beschlossen, den Ländern ‒ und mittelbar den Kommunen ‒ zusätzliche 1,4 Milliarden Euro aus dem Corona-Konjunkturpaket dafür zur Verfügung zu stellen.

Hilfe bei der OZG-Umsetzung bietet die S-Public Services (vormals GiroSolution) an, der Anbieter für E-Government aus der DSV-Gruppe. Die Geschäftsführer Ralf Linden und Volker Müller erklären, wie sie gemeinsam mit den Sparkassen den Kommunen zur Seite stehen wollen.

DSZ: Die OZG-Umsetzung betrifft sowohl den Bund wie auch die Länder und Kommunen. Wie unterstützt die S-Public Services bei der Umsetzung?

Linden: Indem wir den Sparkassen dabei helfen, ihre enge Partnerschaft mit den Kommunen und Ländern weiter auszubauen. Bereits seit Jahrzehnten arbeiten die Kommunen eng mit den Sparkassen zusammen. Nun finden sie auch beim Thema OZG in den Instituten den idealen Partner für eine einfache und kostengünstige Umsetzung. Und wir stellen dafür die passenden Lösungen bereit.

DSZ: Es geht beim OZG um 575 Verwaltungsdienstleistungen, die online angeboten werden müssen. Können Sie abschätzen, bei wie vielen davon die S-Public Services helfen kann?

Müller: Wir gehen davon aus, dass ein hoher prozentualer Anteil dieser 575 Leistungen immer mit einer Online-Zahlung verbunden ist. Insofern werden wir an ganz wesentlichen Stellen mit dem Thema Payment vorkommen. Da sind wir oftmals schon erfolgreich positioniert. Für E-Payment sind wir bereits der führende Anbieter in den Kommunen. Wir bieten aber auch Lösungen, die vor der Zahlung liegen. Der Anfang ist die Identifikation der Bürger gegenüber der Behörde, das ist die Schnittstelle. Unsere Lösung werden wir als Alternative zum elektronischen Personalausweis etablieren und sind dran, die entsprechenden Prozesse für die Portale der Kommunen bereitzustellen und sie dort zu integrieren. Damit ist für die Kommune die Hälfte des Weges schon geschafft.

DSZ: Wie sieht diese Identifizierung aus?

Müller: Wenn Sie bei der Kommune eine Urkunde oder eine Leistung beantragen wollen, müssen Sie heute im Rathaus Ihren Personalausweis vorzeigen. Das ist zwar sicher, aber aufwendig. Für ihre Online-Prozesse braucht die Kommune ebenso sichere wie digitale Identifizierungslösungen. Da ist das Mittel der Wahl natürlich der neue Personalausweis mit der sogenannten E-ID-Funktion. Allerdings gibt es damit ein praktisches Problem: Dem Bürger ist diese Funktion kaum bekannt. Das haben die Kommunen erkannt und deswegen rücken andere Verfahren in den Blick. Wir sind hier im Vorteil, denn die Sparkassen-Finanzgruppe kann die Bürger einfach über das Onlinebanking identifizieren. Das bedeutet, dass wir sofort eine riesige Reichweite darstellen können, die beim neuen Personalausweis noch nicht gegeben ist. Aus diesem Grund besteht sehr großes Interesse daran, unser Verfahren mit zu nutzen.

Linden: Ins Online-Banking loggen sich die Bürger zweimal pro Woche ein; bei der Verwaltung hingegen ist ein derartiges Vorgehen noch neu. Man muss also deutlich machen: So wie du dich immer wieder sicher in dein Sparkassenkonto einloggst, mach das künftig auch bei der Verwaltung. Da müssen wir hinkommen. Der neue Personalausweis wird für die Verwaltung weiterhin gesetzt sein, doch auch wenn alle 575 Leistungen online sind, wird der einzelne Bürger trotzdem vielleicht nur drei bis vier Mal im Jahr eine Leistung der Kommune beantragen. Selbst wenn er dann den Personalausweis mit aktivierter E-ID hat, findet er vielleicht die PIN nicht mehr. Das passiert ihm mit seinem Onlinebanking nicht, weil er es sehr viel öfter nutzt.

DSZ: Wird das Verfahren Yes an dieser Stelle ebenfalls eine Rolle spielen? Oder ist das noch nicht in Sicht?

Müller: Das Projekt ist da und das Produkt ist da, beides ist mit Leben gefüllt. Wir setzen es teilweise schon in der Wirtschaft ein und haben bereits Leuchttürme, mit denen wir in der kommunalen Verwaltung starten wollen.

DSZ: Sie haben vorhin gesagt, die S-Public Services sei bei den Kommunen sehr gut aufgestellt. Wie ist denn aktuell die Marktposition?

Linden: Wir sind mittlerweile in 2500 Kommunen der Payment-Partner und wir haben tolle Lösungen mit Giropay und mit Paydirekt. Paypal ist natürlich ein starker Wettbewerber, kann aber auch über uns abgeschlossen werden. Wir sind Marktführer im Payment und wollen diese Position in diesem Jahr gezielt ausbauen. Unseren Giro-Checkout kennt tatsächlich jede Kommune.

DSZ: 2500 Kommunen sind Kunde bei Ihnen ‒ 2500 von wie vielen?

Linden: Da sprechen Sie ein wichtiges Thema an. Es gibt zwar über 11.000 Kommunen in Deutschland, rund 9000 davon sind für den Payment-Markt interessant ‒ denn etliche Kommunen haben sich zu Verwaltungsgemeinden zusammengeschlossen. Aber 9000 Kommunen haben wir für uns identifiziert, die wir als Kunden gewinnen wollen ‒ und gewinnen werden.

DSZ: Das klingt ehrgeizig, aber Ihre Wettbewerber werden sicher etwas dagegen haben.

Müller: Im Payment haben wir nicht viele Wettbewerber. Es gibt ein oder zwei Anbieter, die versucht haben, sich dem Thema E-Government zuzuwenden. Das ist aber alles andere als trivial. Denn in der Regel schließen Sie zwar den Vertrag mit der Kommune, aber die Technik wird über die kommunalen Rechenzentren bereitgestellt. Das heißt, einen längeren Weg bis zum konkreten Leistungsangebot einzuplanen. Das macht nicht jeder. Wir haben uns 2012 entschieden, diesen Weg zu gehen. Das zahlt sich jetzt aus. Da wir überall mit Rechenzentren stark vernetzt sind, ist es für die Kommune ganz einfach, mit uns Verträge einzugehen. Insofern haben wir für die Sparkassen-Finanzgruppe hier einen recht abgesicherten Markt erschlossen?

DSZ: …der jetzt an Bedeutung gewinnt.

Müller: Richtig, und das liegt vor allem an der Entwicklung des Themas E-Government. Auch wenn das Onlinezugangsgesetz schon 2017 erlassen wurde, richtig Fahrt aufgenommen hat es erst in den letzten zwei Jahren. Mit dem Konjunkturpaket und dem Termin 2022 ist nun endgültig Dynamik hineingekommen. Daher haben wir jetzt eine ganze Menge zu tun.

Linden: Wir sind gut bei den kommunalen Rechenzentren verankert, das ist unser großer Vorteil. Wenn das OZG anschlägt, werden die Online-Payment-Transaktionszahlen bei den Kommunen steigen ‒ und dann wird der Wettbewerb aufmerksam. Deshalb ist es für uns enorm wichtig, dass wir jetzt diesen Weg gehen.

DSZ: Können Sie Beispiele dafür nennen, wie Sie solche Kooperationen in Gang gesetzt haben?

Linden: In Rheinland-Pfalz sind wir über die kommunalen Spitzenverbände, über die Sparkassen und die kommunalen Rechenzentren gegangen, um unser Payment zu platzieren. In Mecklenburg-Vorpommern sind wir ebenfalls gemeinsam mit den Spitzenverbänden vorgegangen und haben jetzt die Ausschreibung gewonnen. Das gleiche gilt für das Saarland und für Baden-Württemberg. Ich könnte noch mehr Beispiele nennen. Wir bezeichnen das bei uns als „Blaupause“, wenn wir mit den Spitzenverbänden und den Sparkassen auf die Kommunen zugehen und uns dann über die jeweiligen Rechenzentren etablieren.

Müller: Man kann natürlich Kommune für Kommune ansprechen. Aber ein wesentlicher Hebel ist, diese „Blaupause“ in jedem Bundesland hinzubekommen. Wir holen uns die Empfehlung und die Unterstützung der kommunalen Spitzenverbände ein und haben immer den regionalen Sparkassenverband mit im Boot. Gemeinsam sprechen wir die Sparkassen an und sitzen mit den wesentlichen kommunalen Dienstleistern an einem Tisch. Dann gehen wir gemeinsam das Projekt an. Es wird also jeweils ein ganzes Bundesland in einer konzertierten Aktion adressiert. Auf diese Weise gewinnen wir nochmal an Geschwindigkeit. So haben wir im letzten Jahr über 800 neue Kommunen gewonnen, das sind zwei- bis dreimal so viele wie in den Jahren davor. In diesem Jahr wollen wir mindestens 1000 neue Kommunen einbinden.

DSZ: Damit das Rad nicht in jedem Bundesland und in jeder Kommune neu erfunden werden muss, soll das EfA-Prinzip („Einer für Alle“) gelten. Ist es dann überhaupt nötig, alle Bundesländer einzeln zu gewinnen?

Müller: Das EfA-Prinzip sieht vor, dass jede digitale Lösung nur einmal in einem Land entwickelt und anschließend den anderen Ländern zur Nachnutzung zur Verfügung gestellt wird. Im Grundsatz ist dieses Prinzip richtig, hat aber auch seine Tücken. Einen Prozess für alle zu erstellen, ist das eine, aber man muss ihn dann auch für alle verfügbar machen und aufrechterhalten. Das ist eine technologische Herausforderung, weil es keine konsolidierte IT der deutschen Verwaltung gibt, sondern viele IT-Welten, die noch nicht richtig miteinander kommunizieren können. Wenn etwas in Hamburg entwickelt wird, muss das nicht zwangsläufig auch in Baden-Württemberg oder Bayern funktionieren. Man müsste also Variationen davon anbieten. Hier sehen wir eine Chance für Dienstleister wie uns, die das besser managen können. Denn wir bieten eine Art von Know-how, die in der öffentlichen Verwaltung einfach nicht zum Kerngeschäft gehört.

DSZ: Geht die Initiative grundsätzlich von S-Public Services aus oder auch von Sparkassen?

Linden: Wir bekommen häufig Hinweise von Sparkassen, wenn in einer Kommune Bedarf nach einer Payment-Lösung besteht. Für uns ist der Input aus den Häusern enorm wichtig, denn sie sind ja gut in den Kommunen verdrahtet und kennen den Digitalisierungsstand dort. Das nehmen wir selbstverständlich gerne auf und gemeinsam mit der Sparkasse sprechen wir dann mit der Kommune.

DSZ: Und was kommt nach dem OZG auf Sie zu?

Müller: Beim Onlinezugangsgesetz reden wir über 575 Leistungen. Darüber hinaus gibt es weitere sieben- bis achttausend Leistungen in der Kommune, die nicht unter das OZG fallen, aber früher oder später ebenfalls digitalisiert werden müssen. Darin liegt wiederum eine Chance für uns.

DSZ: Sie treten unter der neuen Marke S-Public Services auf. Warum?

Linden: Wir wollen damit Zusammengehörigkeit demonstrieren und rücken so auch optisch enger an die Sparkassen-Finanzgruppe heran. Indem wir mit dem Sparkassen-S in den Markt gehen, wird deutlich: Hier kommt eine Lösung von den Sparkassen. Das erhöht das Vertrauen. Für uns ist das eine enorme Chance ‒ es hilft uns, unsere Ziele noch besser zu erreichen. Und der neue Auftritt unterstreicht unsere Ausrichtung als Kompetenzcenter für den öffentlichen Auftraggeber: Hier sind die Kompetenzen in der Gruppe gebündelt.

Müller: Es gibt also zwei Zielrichtungen: nach innen, in die Gruppe hinein, und nach außen. Schon jetzt erleben wir häufig, dass wir als „die Sparkasse“ wahrgenommen werden. Für die Bürgermeister, für die kommunalen Spitzenverbände kommt da „die Sparkasse“. Dieser Vertrauensvorschuss und diese Offenheit für uns als Gesprächspartner ist enorm und wahrscheinlich auch einzigartig. Tatsächlich blieb uns noch keine Tür verschlossen, wenn zuvor die Sparkasse vor Ort angerufen hatte. Da öffnet sich jede Tür, bei jedem Bürgermeister und bei jedem Landrat. Und manchmal schaffen wir es auch, dass beim Minister die Tür aufgeht, weil „die Sparkasse“ kommt.